Cadiz FC – Real Valladolid 1:0 25.11.2017

Segunda Division Espana, Estadio Ramon de Carranza

Besser spät als nie: Der erste Bericht vom Trip nach Andalusien im November 2017.

Dank eines irischen Billigfliegers sind endlich neben Malaga auch andere spanische Städte ab Hamburg mit dem Winterflugplan direkt erreichbar. Sogar zu einem guten Kurs. Mangels der sonst im Herbst üblichen Europapokaltour mit dem FC Schalke 04 kam das Angebot wie gerufen. Als Standort wurde eine der schönsten spanischen Städte, nämlich Sevilla gewählt. Ausgerufenes fußballerisches Hauptziel war allerdings der Cadiz Club de Futbol, denn den FC Sevilla hatten wir bereits 2015 im Ligaspiel gegen Celta de Vigo besucht. Nebenbei bemerkt: Damals zu einer Anstoßzeit um 12:00 Uhr mittags bei ca. 34 °C im Schatten. Allein deswegen macht ein Trip im November weitaus mehr Sinn. Weitere Spiele waren nach den Spielplänen der ersten und zweiten spanischen Liga, sowie eines Spieltages des Copa del Rey (spanischer Pokal) grundsätzlich möglich gewesen. Die in Spanien üblichen, kurzfristigen Spielansetzungen verliefen dann leider etwas suboptimal. Das mögliche Betis Ligaheimspiel wurde quasi zeitgleich mit dem geplanten Spiel in Cadiz angesetzt. Das Pokalspiel von Betis gegen Cadiz FC, was durchaus als kleines Highlight hätte herhalten können, fand zeitgleich mit dem Rückflug am Donnerstag statt. Übrig blieben dann neben dem Spiel in Cadiz ein weiteres Zweitligaspiel in Cordoba und ein eher langweiliges Pokalheimspiel vom FC Sevilla. Dumm gelaufen, wenn man bedenkt, dass die Ligaspieltage auf vier Tage (Freitag bis Montag) und die Pokalspieltage auf drei Tage (Dienstag bis Donnerstag) ausgedehnt werden.

Wir starteten also mit dem Spiel der Segunda Division zwischen dem Cadiz FC und Real Valladolid. Mit dem Zug war nach rund 1,5 Stunden die größte, andalusische Küstenstadt bequem erreicht. Cadiz liegt auf einer Landzunge am Meer und ist aufgrund dieser exponierten Lage eines der ältesten europäischen Städte überhaupt. Schon alle Entdecker und Besatzer nutzten Cadiz mit seinem Hafen zum schwungvollen Handel oder als Start- und Endziel von Entdeckertouren. Die Stadt an der Küste des Lichts zählt 118.900 Einwohner. Diese sind allerdings auf nur zwölf Quadratkilometern untergebracht, so dass eine interessante, lebhafte Enge entsteht. Auch das Estadio Ramon de Carranza liegt, wie so viele spanische Stadien, inmitten eines Wohngebietes. Die Altstadt und ihre Umgebung lassen sich hervorragend zu Fuß erkunden. Kleine Bodegas und Cafes lassen bei sommerlichen Temperaturen keine Wünsche offen. Die Blau- Gelben aus Cadiz spielten bis 2006 lange Jahre in der Primera Division, bevor die Vereinshistorie einen kleinen Knick bekam. Man stieg sogar bis in die dritte spanische Liga ab und kehrte erst 2016 wieder zurück in die Segunda Division. Dort halten sie bisher sogar einen Aufstiegsplatz. Die Fans gelten als sehr loyal und folgen ihrem Club auch auswärts. Die Zuschauerzahlen sind auch in der dritten und zweiten Liga vergleichsweise hoch. Die Ultras des Cadiz FC, die Brigada Amarillas, sind seit Beginn an Stammgast beim Antiracist Football Tournament der Fanszene des FC St. Pauli. Wir werden deswegen freundlich aufgenommen, es ergeben sich auch Gespräche weit ab vom Stadion. Man kennt den FC St. Pauli.

Die Eintrittskarten erstehen wir problemlos an der Tageskasse. Dort treffen wir noch einen englischen Groundhopper vom Dulwich Hamlet FC, der in den kommenden Tagen die gleichen Pläne hat wie wir, aber noch das Pokalspiel von Betis mitnehmen kann. In der Nähe vom Stadion gibt es eine kleine Plaza mit einigen Bars, der als Treffpunkt für die Ultras und Umfeld der Brigada Amarillas dient. Wir besorgen uns ein Bier und werden sofort freundlich aufgenommen. Da wir kein spanisch und die meisten Blau- Gelben kein Englisch sprechen, werden schnell zwei Leute organisiert, die übersetzen können. Nebenbei stellen wir fest, dass unser Gesprächspartner höchst persönlich bei einem der Antira Turniere in Hamburg war und wir deswegen beide einen Dritten nicht Anwesenden aus Berlin kennen. Die Welt ist klein. Dann wird es plötzlich still. Man hätte, wo soeben noch lebhafte Atmosphäre herrschte, eine Stecknadel fallen hören können. Was war passiert? Die spanische Polizei (höflich ausgedrückt erzkonservativ unterwegs) betritt im Zeitlupentempo den Platz, um die eine oder andere Person zu kontrollieren. Uns erschien es einfach nur so. Unsere Gastgeber bestätigen dies. Reine Schikane und Provokation! Besonders gerne gegen linksalternativ ausgerichtete Gruppen. Irgendeinen Anlass gab es nicht. So wurden die Herrschaften irgendwie wieder ihrem Ruf gerecht. Dass sie gerne mal Fußballfans verprügeln, hat sich durch diverse Vorkommnisse bei Europacupspielen mittlerweile ja auch bis Deutschland herum gesprochen.

Bevor wir uns verabschieden, lassen wir für Merch noch ein wenig Geld in der Ultrakasse und entern das Stadion. Essen und Getränke darf man übrigens mit hinein nehmen, was viele auch nutzen. Nur die Deckel von den Flaschen werden abgeschraubt. Dementsprechend dünn ist das kulinarische Angebot dann drinnen. Überhaupt gibt es hier keinen Schnick- Schnack. Die grauen Betontribünen sind nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. Fußball pur! Das wichtigste allerdings sind die Treppengeländer und Auffanggitter am Ende der Treppe im Oberrang. Der ist mal so richtig steil, ähnlich der Tribüne des Mestalla Stadions in Valencia. Nichts für Leute mit Höhenangst. Wer mitten in der Stadt auf wenig Fläche ein Fußballstadion baut, muss halt die Höhe nutzen. Auf dem Umgang ganz oben hat man einen herrlichen, unverbauten Blick auf die Stadt und den Hafen. Es fällt schwer sich auf das Geschehen auf dem Platz zu konzentrieren. Dort passiert leider auch nicht wirklich viel. Für ein Spiel mit zwei Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel der Liga 2 ist das Niveau durchwachsen. Die Kurve der Brigada Amarillas im Unterrang sorgt für Belebung des Runds. Bei ein, zwei Liedern stimmt sogar das ganze Stadion mit ein. Alles in allem für spanische Verhältnisse sehr ordentlich. Unsere Erwartungen werden also nicht enttäuscht. Eine sichtbare Gruppe Gästefans können nicht ausgemacht werden. Typisch Spanien! Insgesamt sehen heute 12.900 Zuschauer diese Partie. Das Stadion ist also gut zur Hälfte gefüllt. Es folgte ein relativ ausgeglichenes Spiel, welches die Blau- Gelben aus Cadiz mit einem Treffer aus der 6. Minute für sich entschieden. Sie bleiben damit ein heißer Kandidat für den Aufstieg in die Primera Division! Würde mich freuen!

Cadiz FC – Real Valladolid 1:0 25.11.17 from Nebensachefussball on Vimeo.

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SV Lichtenberg 47 – FC Viktoria 1889 Berlin 5:4 i.E. (2:2)

3. Runde Berliner Landespokal am 11.11.2017

Den Berliner Oberligisten SV Lichtenberg 47 habe ich bereits im Februar diesen Jahres besucht. Damals fand dessen Heimspiel der Oberliga Nord Ost aufgrund der Witterungsbedingungen allerdings auf dem Club eigenen Kunstrasenplatz an der Bornitzstraße statt. Da ich bereits hier
https://nebensachefussball.wordpress.com/2017/02/21/amateurtour-teil-4-im-berliner-osten-beim-sv-lichtenberg-47/
schon über den Verein an sich geschrieben habe, gibt es an dieser Stelle nun die Informationen zum eigentlichen Stadion „Hans Zoschke Arena“. Dieses ist nämlich aus meiner Sicht der heimliche Star des Vereins:

Es ist hinter der Alten Försterei das zweitgrößte reine Fußballstadion Berlins. Es wurde 1952 anlässlich der Weltfestspiele als Stadion an der Normannenstraße gebaut und mit einem FDGB Pokal Finale eingeweiht. 18.000 Zuschauer waren damals anwesend. Bis dato der Rekord. Einen Monat später wurde der Platz mit einem Heimspiel der Lichtenberger als Hans- Zoschke- Stadion (von den Nationalsozialisten hingerichteter antifaschistischer Widerstandskämpfer) eingeweiht. Heute sind immer noch 9.900 Besucher zugelassen. 900 von denen können auf einer unüberdachten Tribüne Platz nehmen. Eigentlich ein schicker, alter Ground mit einem großen Vereinsheim, der es verdienen würde, ordentlich befüllt zu werden. Unpassender Weise trägt er seit 2009 den Namen HOWOGE Arena Hans Zoschke. Arena artig ist an diesem Stadion nämlich wirklich nichts. Ganz im Gegenteil: Die Steh- Traversen sind ordentlich mit sattem Gras bewachsen. Die alte Bausubstanz ist so gut wie möglich erhalten. Graue Natursteine, Typ Harzer Granit, begrenzen die Tribüne. Großzügige Treppenanlagen erinnern an die damalige Stadionarchitektur. Ein Schmuckstück! Komfortabel ist hier nichts. Auf beiden Seiten der Geraden wartet je eine Holzbude auf Kunden. Es gibt Bratwurst und na klar, Berliner Buletten und Pfannkuchen (außerhalb Berlins als Berliner bekannt). Dazu das übliche Getränkeangebot. Auf dem Platz neben dem Stadion lädt ein schmuckes Clubheim einschließlich der Spielerkabinen zum Verweilen ein. Die üblichen Pokale, Bilder und Wimpel findet man genauso, wie ein erweitertes Speisen und Getränkeangebot. Die Preise sind unschlagbar. Zweimal Kaffee und Kuchen für 4,40 €. Wo gibt`s das schon? Am Stammtisch in der Ecke erzählen die älteren Herrschaften wieder von alten Zeiten und russischen Nationalspielern. Ostalgie pur.

So, wie die Umgebung. Denn in direkter Nachbarschaft befindet sich neben vielen Häusern in typischer Ostarchitektur die ehemalige Stasi- Zentrale der EX- DDR mit ihren riesigen Gebäuden, in denen zig Tausende Mitarbeiter gearbeitet haben. Auch dieses Gebäudeensemble mit integriertem Museum ist einen Besuch mehr als wert. Besonders zu empfehlen ist eine Führung durch das Museum, die zum Teil von Opfern der Stasi durchgeführt werden. Diese haben viel zu erzählen. Lichtenberg 47 war trotz der räumlichen Nähe allerdings kein direkter Stasiverein wie der BFC Dynamo. Vielmehr hatten die Planer mal ein Auge auf das Grundstück des Vereins geworfen, um das Ministerium für Staatsicherheit baulich zu erweitern, was aber verhindert werden konnte.

Heute waren zum Achtelfinale des Berliner Landespokals die Himmelblauen der höherklassigen FC Viktoria 1889 zu Gast. Berlins zweit ältester Fußballverein. Gegründet als Berliner TuFC Viktoria 89, einige Male umbenannt und 2013 mit dem Lichterfelder FC 1892 fusioniert, spielen sie derzeit in der Regionalliga Nord Ost und hatten mal (oder haben immer noch) Ambitionen dauerhaft drittstärkste Kraft des Berliner Fußballs mit Blick nach oben zu werden. So richtig gelingt das aber auch nicht. Fehlendes Geld und ein Mangel an Fans sind die Gründe. Die Heimspielstätte „Stadion Lichterfelde“, eine sehr üppige und gut erhaltene Anlage mit seiner historischen Sitzplatztribüne, ist, nebenbei bemerkt, ebenso einen Besuch wert!

Neben einigen Groundhoppern sind bei nasskaltem Novemberwetter leider nur 300 Zuschauer ins „Hansch Zoschke“ gekommen. Davon auch nur eine Handvoll aus dem Stadtteil Lichterfelde. Unterklassiger Fußball zieht in der Hauptstadt irgendwie nicht, obwohl oft viel Tradition sowohl bei den Vereinen, als auch Spielstätten im Spiel ist. Schade eigentlich. Die Lichtenberger können immerhin mit einer kleinen Fanszene aufwarten, die sich hinter einem großem SV Lichtenberg 47 Banner platzierte. So richtig supportet wurde aber nicht. Stimmung kam auch erst nach dem Anschlusstreffer der Rot- Weißen zum 1:2 Mitte der zweiten Halbzeit auf. Bis dahin waren die Gäste ziemlich überlegen, führten zur Halbzeit 0:2 und verschossen dabei noch einen Elfmeter. Als dann kurz vor Ablauf der eigentlichen Spielzeit noch der Ausgleich glückte, wurde es mal laut im Rund. Das Spiel war, auch gespickt mit einigen härteren Fouls und strittigen Szenen, ziemlich unterhaltsam. Ein typisches Pokalspiel, würde man sagen. Da auch die Verlängerung keine Entscheidung brachte, kam es zum Elfmeterschießen, welches die Gastgeber mit 5:4 zum insgesamt 7:6 Endstand entschieden. Für die schlappen acht Euro Eintritt wurde also allerhand geboten.

Wer gerne Videos schaut, dem empfehle ich den You Tube Channel von Groundhopper Andy, ein in Berlin wohnenden Engländer aus Manchester, der seine Spielbesuche in bewegenden Bildern für die Nachwelt festhält. So wie auch diese Begegnung: https://twitter.com/andygreenpage https://www.youtube.com/c/andygreenpage

Hibernian FC- Celtic FC 2: 4 im Hampden Park

Schottisches Ligapokal Halbfinale am 21.10.2017

Wenn selbst zehn Tage nach einem Spielbesuch nicht einmal der Anfang flutscht, dann ist wohl nicht viel Erwähnenswertes passiert. Immerhin war es für mich mein erster Spielbesuch im Hampden Park, dem schottischen Nationalstadion. Wenn aber zwischen Ankunft am Flughafen Edinburgh am späten Freitagabend und dem frühen Anpfiff um 12:15 Mittags gerade mal ein paar Stunden liegen, bleibt für aufregende Erlebnisse nach Abzug der Fahrzeit Edinburgh – Glasgow, ein paar wenigen Stunden Schlaf mit Morgentoilette sowie ein paar Scheiben Toast vor Abfahrt zum Stadion nicht mal eine schlappe Stunde. So sitzen wir müde im Fanclubbus des örtlichen Celtic Supporters Club Garngad Milburn CSC , der uns bequem und ohne Umwege vom mir liebgewonnenen Stadtteil Roysten zum Hampden Park kutschiert. Die Stimmung ist ziemlich unaufgeregt. Aufgrund der kurzen Anreise lohnt sich nicht einmal das sonst übliche, allerdings auch verbotene, Vorglühen im Bus. Vor Ort am Stadion wäre hierfür sowieso keine Zeit mehr gewesen. Ich halte von derartigen Anstoßzeiten ja mal gar nichts! Ohne Bier ging es auch munter weiter, denn in schottischen Stadien gibt es einfach keines. Im Gegensatz zu England ist selbst das Trinken in den Umgängen nicht erlaubt. Dementsprechend leer ist es an den Verpflegungsständen. So ist man zwar fix mit Bovril oder Tee versorgt, aber irgendetwas fehlt dann doch irgendwie!

Ist der Hampden Park von außen keine Schönheit, punktet er im Inneren. Die Tribünen sind rund um, bis auf einen kleinen Oberrang auf der Haupttribüne einrangig, was stimmungstechnisch eigentlich von Vorteil ist. Allerdings besitzt der Ground hinter den Toren noch Kurven, die auch eher flach ansteigen. Für gute Sicht und Atmosphäre eher suboptimal. Schön ist aber die Gestaltung der Sitzfarben u.a. mit der schottischen Nationalfahne. Ich finde die Schüssel gar nicht mal so schlecht. Die Celtic Fans, wie man hört, wohl überwiegend nicht. Leider blieben heute auch rund 10.000 Plätze ungenutzt. Der heutige Gegner aus Edinburgh konnte das volle ihm zugesprochene Kontingent von rund 25.000 Plätzen nicht absetzen. Sehr Schade! So sahen nur 39.800 Zuschauer das Halbfinale im schottischen Ligapokal zwischen dem Hibernian FC und Celtic FC.

Fantechnisch hatten die Hibees durchaus das Potential gegen die zahlenmäßige Übermacht der grün- weißen Kleeblätter anzustinken. Eine kleine Ultragruppe konnte mehrmals ihre ganze Kurve zum Mitsingen animieren. Der Spielverlauf allerdings gab nicht mehr her. Die Gäste aus Edinburgh, die derzeit übrigens von Celtic`s Ex- Spieler und Ex- Trainer Neil Lennon gecoacht werden, waren in allen Belangen unterlegen. Der letztendliche Sieg der derzeitigen Nummer Eins im schottischen Fußball war nie ernsthaft in Gefahr. Obwohl die ersten beiden Tore zum zwischenzeitlichen 2:0 durch den Schweden Mikael Lustig alles andere als schön heraus gespielt waren. Auf nationaler Ebene reicht halt biedere Handwerkskunst. Erst mit der Einwechselung von Moussa Dembele kam etwas Schwung ins Spiel des Favoriten. Gleich zweimal unterstrich er seine Qualitäten mit seinen Toren zum 3:1 und 4:2 Endstand. Ich will nicht sagen brenzlig, aber zumindest interessant, wurde es aus Sicht von Celtic nur, wenn Keeper Gordon mit seinen Füßen in das Spiel eingreifen musste. Das kann er nämlich gar nicht. Das Hibernian aus gleich mehreren reichlich verunglückten Klärungsversuchen kein Kapital schlagen konnte, war pure Glücksache. Torwart können sie auf der Insel eben nicht.
So ging ein durchschnittliches, aber für den großen Club aus Glasgow erfolgreiches Spiel mit 4:2 zu Ende. Die Stimmung war o.k., aber nicht überragend. Nur wenige Male stimmte die gesamte Kurve in die Gesänge mit ein. Dafür sind derartige Spiele vermutlich normaler „Alltag“ für die verwöhnte Fangemeinde.

Ein wenig skurril kam die Halbzeitunterhaltung daher. In Schottland gibt es seit einiger Zeit eine Gesundheitskampagne Namens „Football Fans in Training (FITT)“. Dabei werden Männer mit einem Mindestbauchumfang von 38 Inch (also rund 95 cm) und ab einem Alter von 35 Jahren aufwärts animiert in einem zwölf Wochen Programm mit dem Ball am Fuß abzunehmen. Belohnung des Trainings ist offensichtlich die Teilnahme an den Shows an Spieltagen. Dann dürfen die Herrschaften vor einem großen Publikum den langen Weg vom Anstoßpunkt zum Tor zurücklegen und versuchen den Ball im Netz unterzubringen. Also irgendetwas zwischen damit einhergehender Slapstick und sinnvoller Bewegung für die Gesundheit. Auch in sieben deutschen Stadien soll es übrigens dieses Programm geben, war auf der Anzeigetafel zu lesen. Schön, wenn`s hilft!

Tags darauf schaffte es tatsächlich der große Erzrivale Rangers FC zur großen Freude der Grün- Weißen sein Halbfinale zu vergeigen. So kommt es am Sonntag, den 26. November nicht zu einem elektrisierenden Zusammentreffen der beiden Vereine, sondern zum Ligapokalfinale gegen den FC Motherwell. Für Groundhopper daher sicher eine gute Gelegenheit mal den Hampden Park bei einem Finale zu besuchen.

Übrigens kann ich auch dort eine Stadionführung einschließlich eines Besuchs des integrierten schottischen Fußballmuseums empfehlen. Beides ist interessant und interaktiv aufgemacht. Da auch der Fanshop des im Hampden Park spielenden Queens Park FC dort zu finden ist, besitze ich seit zehn Jahren ein Auswärtstrikot in den Farben blau-orange des berüchtigten Getränkes und Hauptsponsor Irn Bru. Der Queens Park FC wäre aber mal eine eigene Story wert. Dieser ist nämlich ursprünglicher Besitzer des Hampden Park und war einst der größte und erfolgreichste Verein Schottlands.

Hibernian FC – Celtic FC League Cup Semi Final 21.10.17 from Nebensachefussball on Vimeo.

Sheffield Wednesday- Sheffield United 2:4 24.09.2017

Das Steel City Derby

Wenn in der nordenglischen Stadt Sheffield Fußballvereine gegeneinander antreten ist immer viel Tradition im Spiel. Schließlich sind dort sowohl der älteste Fußballverein der Welt (Sheffield FC-gegründet 1857), als auch der älteste Fußballplatz der Welt (Sandygate Road des Hallam FC- erstes Spiel 1860) beheimatet. Auch der Sheffield Wednesday Football Club blickt auf eine lange Geschichte zurück und feiert in diesem Jahr sein 150- jähriges Bestehen. Das Steel City Derby (die Stadt Sheffield ist für ihre mehrere Hundert Jahre zurückgehende Produktion für Qualitätsstahl weltberühmt) ist eines der traditionsreichsten und leidenschaftlichsten in England und erlebte am 24. September 2017 seine 141. Auflage. Das erste Aufeinandertreffen erfolgte im Rahmen eines Freundschaftsspiels bereits im Jahre 1890. Das erste Ligaspiel ist mit dem 16.10.1893 datiert.
Im April 2010 besaß ich bereits Karten, Flug und Hotel für das Aufeinandertreffen der beiden großen Rivalen Wednesday und United. Dann durchkreuzte ein isländischer Vulkan Namens Eyjafjallajökull mit seiner gewaltigen Aschewolke die Pläne. Für einige Tage wurde der Flugverkehr unterbrochen und meine Reise jäh gestoppt, bevor sie begonnen hatte. Ich begnügte mich dann erst einmal mit den West Yorkshire Derbys der Olws, wie die Blau- Weißen genannt werden, gegen Leeds United in 2012 und Huddersfield Town in 2013.

Nach 2012 spielten die beiden Teams aufgrund unterschiedlicher Ligazugehörigkeiten erst einmal nicht wieder gegeneinander. 2017 sollte es nach dem souveränen Aufstieg „der Blades“ in die Championship, der zweiten englischen Liga, wieder soweit sein. Dementsprechend elektrisiert waren sowohl die Anhänger beider Lager, als auch viele Groundhopper außerhalb Englands. Insgesamt 32.839 Besucher verfolgten schlussendlich das Spiel. Es war unter Berücksichtigung der nicht verkauften Plätze in den Pufferzonen und Plätzen mit extremer Sichtbehinderung quasi ausverkauft. Die rot-weißen Gäste von der Branmall Lane bekamen davon geschätzte 3.000 Tickets im Oberrang des West Stands zur Verfügung.

Die Reiseplanung ließ diesmal leider keine Übernachtung in Sheffield zu, obwohl ich einen längeren Aufenthalt jedem nur empfehlen kann. Sheffield ist bestens als Ausgangspunkt auch für andere Spielorte geeignet: Die Hotelübernachtungen sind günstiger als z.B. in Manchester oder Leeds, es gibt nette Pubs und Bars und einige Sehenswürdigkeiten aus der Industriekultur. Zudem sind die Menschen dort freundlich und zugänglich. Durch die große Universität bietet Sheffield trotz eines abgeschlossenen, sowie anstrengenden Strukturwandels ein gewisses Szeneleben in der sonst durch den Verfall der Industrie gebeutelten Region.
Als wir im sonnigen Sheffield rund drei Stunden vor Spielbeginn um 10:00 Uhr eintrafen, waren viele der örtlichen Pubs bereits gut gefüllt. Die meisten in der Innenstadt allerdings mit Anhängern der Blades, die entweder zum Pre Match Bier gekommen waren oder um sich später, mangels ausreichender Gästekarten, das Spiel im TV anzusehen. Die Heimpubs der Owls findet man eher im Stadtteil Hillsborough, in dem auch das gleichnamige Stadion beheimatet ist. Wir entschieden uns wieder für das Riverside Cafe am Stadion, in dem es das nachweislich beste Englische Frühstück in der Gegend gibt. Leider wissen das Andere auch. Dementsprechend gut besucht war es schon Stunden vor Spielbeginn. Mittlerweile gibt es dort auch neben einer Terrasse mit Blick auf das Stadion einen netten, kleinen Biergarten. Bier wurde allerdings nur gegen Vorzeigen einer „Alkohol- Karte“ verkauft, die man sich in den Wochen zuvor im Cafe aushändigen lassen musste. Also quasi eine Mitgliedschaft zum Biertrinken. Immer für skurrile Überraschungen gut, die Engländer! Ich hatte es ohnehin eher auf das Frühstück abgesehen. Den Anderen wurden natürlich unter der Hand von Stammgästen geholfen. Wie bei meinen beiden vorherigen Besuchen zuvor, erkundigte sich bei der Bestellung die Besitzerin des Ladens, woher ich den komme. Mein holpriges Englisch outete mich anscheinend sofort. Sie aber entschuldigte sich auch dieses Mal aufrichtig, dass sie kein deutsch spräche und wünschte mir viel Spaß! Ausgesprochen höflich, die Dame!

Es folgte die übliche Stadionumrundung. Schließlich bietet das altehrwürdige Hillsborough Stadium ausreichend Motive für schöne Bilder. Zusammenhängende Karten hatten wir uns auf dem South Stand, der Haupttribüne, Richtung West Stand mit gutem Blick auf den Gästebereich besorgt. Im Bauch der Tribüne war die Stimmung schon prächtig. England Fahrer kennen das: Trinken und Singen. Einziger, kleiner Wehrmutstropfen: Das Bier gab es nicht gegen Bargeld.

Die ausgelassene Stimmung der Owls wurde von den Gästen allerdings schnell gestoppt: Bereits in der 03. Minute ging Sheffield United durch ein Freistoßtor in Führung und legte in Minute 15 noch einmal nach zum 0:2. Der Gästeblock feierte (auch mit einer kleinen, roten Raucheinlage). Der Rest war geschockt. Wednesday fand gegen die gut organisierte Abwehr der Roten mit ihren großgewachsenen Spielern kein Rezept und war auch sichtlich verunsichert. Mit dem Anschlusstor kurz vor der Halbzeit kehrte wieder Leben in`s Spiel und der Stimmung der Gastgeber zurück. Auch nach der Pause blieb das Heimteam zunächst am Drücker. Dann folgte die spannendste Phase der Begegnung: Während ca. 29.000 Zuschauer noch singend den Ausgleich zum 2:2 in der 65. Minute feierten, traf United mit einem Konter postwendend mitten ins Herz der Blauen (siehe auch im Video unten). Der Gästeblock explodierte, die anderen waren richtig geschockt. Später folgte noch das 2:4 zum Endstand. Ein tolles, intensives Spiel mit positivem Ausgang für die Blades. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Rivalen.
Leider mussten wir wegen des Rückfluges am selben Tage mit der Tram zügig zurück zum Bahnhof und konnten das Geschehen nach Abpfiff nicht weiter beobachten. In der Innenstadt zogen vereinzelt kleine Casualgruppen von United, die nicht im Stadion waren, singend durch die Gegend, auch wohl um zu provozieren. Vor einigen Pubs war immer noch Polizei positioniert. Im Netz findet man einige Videos, die zeigen, warum. Derby eben. Allerdings war das Polizeiaufkommen üblicherweise für ein Derby dieser Art gegenüber hiesigen, vergleichbaren Spielen wesentlich kleiner und unaufgeregter. Äußerst angenehm!
Sheffield hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Weitere Besuche werden folgen!

Über meine Besuche in 2012 und 2013 habe ich übrigens hier geschrieben:

Fussball rund um Sheffield_2013

Sheffield Wednesday _Leeds United 2012

Zu Besuch beim Hallam FC

HI HO Sheffield Wednesday from Nebensachefussball on Vimeo.

If you don`t fucking Bound than you`re a blade- than goal for United from Nebensachefussball on Vimeo.

Farewell White Hart Lane

mit: Tottenham Hotspur – Arsenal FC  2:0  am 30.04.2017  Premier League

Und wieder wird ein traditionelles, altehrwürdiges Stadion demnächst Geschichte sein: Die White Hart Lane. Seit stolzen 118 Jahren Heimat der Tottenham Hotspurs. Eröffnet wurde die ursprüngliche Lane, wie sie abgekürzt meist genannt wird, mit einem Freundschaftsspiel gegen Notts County im September 1899. Damals sahen ganze 5.000 Zuschauer das Spiel. Im ersten Ligaspiel konnten aber schon 11.000 Zaungäste begrüßt werden. Der Ground besaß schon damals eine überdachte Haupttribüne und ein Fassungsvermögen von 32.000 Plätzen.


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Operation Mariachi: Auswärts mit Grimsby Town FC

Barnet FC – Grimsby Town FC  3: 1  League Two 29.04.2017

Bevor am folgenden Tag der persönliche Abschied von der White Hart Lane genommen werden musste, durfte zunächst am Samstag der 34. Groundpunkt auf dem langen Weg zu den möglichen 92 der ersten englischen vier Ligen klar gemacht werden. Dieses Mal ging es in den Nordwesten von London zum kleinen Barnet Football Club, der derzeit in der League Two, der vierten englischen Liga, kickt. Zu Gast sind heute die Mariners vom Grimsby Town Football Club. Die Fans des GTFC gelten als crazy. Sie verbreiten gute Stimmung und sind sehr reisefreudig. Besonders bei Auswärtspartien erscheinen sie zahlreich und stimmgewaltig.
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Stadion am Panzenberg: Beim Bremer SV

Bremer SV – Blumenthaler SV 3:1 25.03.2017 Bremenliga (Oberliga)

Am Wochenende der Länderspielpause Ende März stand das Spitzenspiel der Bremen Liga zwischen dem Bremer SV und dem Blumenthaler SV an. Die Bremen Liga gehört in der Ligen- Hierarchie zu den Oberligen, also zur fünfthöchsten Spielklasse in Deutschland. Der Meister spielt um den Aufstieg in die Regionalliga Nord. Beide Teams gehören quasi zu den Urgesteinen der Liga und gewannen beide die Liga bisher am Häufigsten. Rekordmeister sind derzeit die Blau- Weißen vom Panzenberg. Man kann also wirklich von einem Traditionsspiel oder kleinem Derby sprechen.
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