Neubau Tottenham Hotspur Stadium

Dieser Artikel ist von mir in der Print Ausgabe Übersteiger Nr. 131 im März 2018 erschienen und wurde auf den aktuellen Stand überarbeitet.

Hier habe ich im April des vergangenen Jahres mit dem Artikel “Farewell White Hart Lane” Abschied von der traditionsreichen Spielstätte im Londoner Stadtteil Tottenham genommen. Sie wurde nach stolzen 118 Jahren abgerissen, um einen lang geplanten Neubau Platz zu machen. Sie war nicht besonders hübsch, schon mächtig genug, gehörte aber zum Stadtteil. Für viele war sie ein Sehnsuchtsort. Nun einfach weg.

 

Immerhin an gleicher Stelle und nicht wie beim Rivalen West Ham United in einem anderen Stadtteil, entsteht ein großer Arena Neubau. Die Verhandlungen mit der Stadt und die notwendigen Planungen dauerten Jahre. Der Bezirk wollte für sich, berechtigter weise, so viel wie möglich durch das Neubauensemble unter dem Namen Northumberland Development Project herausholen. Denn Tottenham war in der Vergangenheit ein eher gebeutelter Stadtteil. Er wartet mit der höchsten Anzahl verschiedener Ethnien in London auf, ist dadurch bunt, aber nicht gerade reich. Es entstehen einerseits zwar viele neue Arbeitsplätze, andererseits muss sich das Ungetüm von Arena auch irgendwie mit dem Standort vertragen. Soweit ich das verfolgen kann, war es mit dem Bau eines Stadions an sich auch nicht getan. Der alleine würde eher bis zu ca. maximal 600 Millionen Pfund verschlingen (eigene Schätzung in Abhängigkeit der kolportierten Gesamtsumme und in Relation zu anderen Neubauten). Der Verein musste für den Kauf der notwendigen zusätzlichen Flächen, sowie für das Projekt überhaupt, dem Stadtteil sehr entgegen kommen. Insgesamt werden mittlerweile mindestens 800 Millionen Pfund, also rund 960 Millionen Euro verbaut. Es geistern aber auch immer wieder noch höhere Zahlen durch den Raum. Wirklich transparente Zahlen sind allerdings bisher nirgendwo zu finden.

Tottenham Hotspur mit Unternehmer und Millionär Daniel Levy an der Spitze entwickelte in Abstimmung mit der Stadt ein Areal mit einem Einkaufscenter einschl. Parkhaus, Hotel, einem Sportzentrum und Wohnungsbau neben dem eigentlichen Stadionneubau. Dafür wurden und werden natürlich einzelne Investoren gesucht, aber ein großer Anteil der Flächenentwicklungskosten gehen (zunächst) offensichtlich zu Lasten der Vereins. Die Kosten sind gegenüber den ersten Schätzungen vor Jahren mittlerweile um rund das Doppelte gestiegen. Zunächst ging man von gut 400 Millionen Pfund aus. Inwieweit sich Tottenham auch an der Verbesserung der Infrastruktur beteiligen muss, ist dabei nicht wirklich bekannt. Für das vielfach höhere Zuschaueraufkommen (der Neubau fasst 62.000 Besucher) müssen und sollen die umliegenden Bahnhöfe White Hart Lane, Northumberland Park und Tottenham Hale teils erweitert, modernisiert und über neue Wegebeziehungen besser angebunden werden. Richtung U- Bahn Station Seven Sisters sollen mehr Busse eingesetzt, die Taktfrequenz der U- Bahn Linie Victoria Line an Spieltagen erhöht werden. Wer schon einmal vor Ort war, kann sich gut ausmalen, wenn sich plötzlich bis zu knapp 30.000 Menschen zusätzlich als bisher rund um die überschaubar große High Road und Umgebung ergießen.
Seit den Planungen und Verhandlungen engagieren sich die Spurs (natürlich nicht ganz uneigennützig) stärker mit verschiedenen Projekten im Stadtteil, sorgen für mehr Arbeitsplätze während der Bauphase und im späteren Betrieb. Über entsprechende Projekte und Plattformen entstanden für die Bauzeit bis zu 1000 neue Arbeitsplätze. Diese Zahl, schenkt man den Veröffentlichungen des Vereins glauben, soll sich nach der Inbetriebnahme des Projektes auf bis zu 3.600 erhöhen. Sie sollen aus dem Stadtteil heraus entstehen. Aus der Ferne eine Win Win Situation für die beiden Parteien Stadt und Verein. Nebenbei hat sich die sozialpolitische Situation vor Ort schon bis heute erheblich verbessert, nach dem sich die Politik nach den Unruhen in 2011 endlich Stadtteilentwicklungspolitisch mit dem Bezirk Tottenham befasst. Allerdings gehen mit derartigen Prozessen natürlich auch die üblichen Verdrängungen einher. So extrem bunt und dabei arm, wie vor zehn oder mehr Jahren ist Tottenham schon jetzt nicht mehr. Die unter freiem Himmel hinter zugehängten, gespannten Wäscheleinen angebotenen Massagedienste an der High Road sind beispielsweise verschwunden. Neue Geschäfte und Restaurants haben eröffnet. Das Sportcenter wurde ebenso aufgehübscht und erweitert. Wohnungsbauprojekte wurden und werden vorangetrieben. Der im ersten Bauabschnitt errichtete Großsupermarkt mit Tiefgarage ist längst in Betrieb. Insgesamt kann das Vorhaben aus meiner Sicht als durchaus positiv für den Bezirk angesehen werden. Er bringt auf jeden Fall regelmäßige Kaufkraft in den Norden von London. Auch, wenn man sich sicherlich erst noch an das riesige Bauwerk gewöhnen werden muss, wo vorher überschaubar hohe Gebäude mit teils gewerblicher Nutzung gestanden haben.

Das Stadionkonstrukt

Die Konstruktion ähnelt schon ein wenig dem Stadion des Rivalen Arsenal FC. Es erscheint auf den Animationen und Bildern im Inneren allerdings etwas kompakter und insgesamt auch steiler. Die Südtribüne macht auf aktuellen Fotos zumindest einen imposanten Eindruck. Die transparente Glasfassade soll Abends im „Tottenham Blau“ erstrahlen.
Wer neue Arenen toll findet, kommt in der neuen White Hart Lane voll auf seine Kosten: Zwei bzw. drei Ränge, viel Glas, geschwungene Tribünenformen sowie großzügige Merchandise und (Non-) Food Bereiche kennzeichnen das Rund. Insgesamt wird es 8000 Plätze(!) im Business Seats – und Logenbereich geben. Zum Vergleich: Der FC Bayern kommt mit ca. 3400 aus. Ein besonderer VIP Bereich im Eingangsbereich zum Rasen ersetzt den klassischen Spielertunnel. Es ist von der längsten Theke Englands (86 m), einer eigenen Brauerei und Bäckerei die Rede. Die Namensrechte der Arena werden selbstredend veräußert. Auch ein Deal mit der amerikanischen NFL wurde bereits geschlossen. Die vermarktungstechnisch auf europäischen Boden ausgetragenen Begegnungen der National Football League finden ab der Saison 2018/2019 in Tottenham statt. Viel mehr Business geht nicht. Heilen soll den grenzenlosen Kommerz die neue einrangige, 17.000 Besucher fassende Südtribüne nach Dortmunder Vorbild, die zum Stimmungskern auserkoren werden soll. Allerdings mit Sitzplätzen. Den Verantwortlichen schwant anscheinend, was sie erwartet. Denn allein mehr Zuschauer als an der alten WHL (oder vielleicht besser gesagt hinzugewonnen Kunden?) werden die meist gut gewesene Stimmung nicht verbessern. Erfahrungsgemäß eher das Gegenteil. Außerdem werden die bis zu 3.000 Gäste, anders als bisher, gegenüber vom „Stimmungskern“ auf der Nordtribüne platziert. Damit fehlt auf jeden Fall schon mal ein liebgewonnener Reibungspunkt. Die Planer setzen sogar noch einen drauf: Einen in der Mitte der Südtribüne platzierten Business Bereich. Stimmungsfördernd sieht anders aus…

Die Eintrittspreise

Den meisten Dauerkarteninhabern und Mitgliedern scheint das alles zu gefallen. Sie stehen dem Projekt positiv gegenüber und hoffen damit dauerhaft im Kreis der Großen mitspielen zu können. Ich, als Fußball- und Stadionromantiker, sehe das allerdings naturgemäß komplett anders. Die Preisgestaltung ist für die meisten Fans allerdings dann doch ein dickes Brett. Monatelang rangen und diskutierten der Tottenham Supporters Trust (eine Art Fanvertretung) mit dem Verein um verträgliche Ansätze. Doch so nötig wie Nachbar West Ham United, die mit relativ humanen Dauerkartenpreisen ihr neues Stadion gefüllt haben, hat es Tottenham nicht. Momentan schwimmt der Verein auf der Erfolgswelle eben ganz oben. Die günstigste Jahreskarte erhält der Fan für 795 Pfund, also rund 900 Euro. Davon gibt es aber nur sehr wenige, nämlich einen kleinen Block auf der Nordtribüne. Dort, wo Stimmung entstehen soll, geht es im Oberrang der Südtribüne unter dem Dach mit 875 Pfund los. Die meisten Karten sind allerdings dort in einer Preisspanne von 975 bis 1200 Pfund (rund 1.300 Euro) erhältlich. Aber das ist noch nicht die Spitze des Eisbergs. Für schlappe 1.882 Pfund erhalten mehrere Hundert Business Kunden einen Platz mitten unter den Fans in dem Bereich (ich wiederhole mich), der als einrangige Südtribüne als Stimmungskern ausgerufen wird. Kommentar überflüssig… Auf der Haupttribüne werden übrigens bis zu 1.995 Pfund aufgerufen. Wieviele Dauerkarten schlussendlich verkauft wurden, ist derzeit nicht bekannt. Es sollen nach alten Planungen bis zu 42.000 Dauerkarten an den Mann/Frau gebracht werden. Da es eine zweite Verkaufsphase an Mitglieder gegeben hat, scheinen nicht alle Jahreskarteninhaber aus der vergangenen Saison ihr Abo verlängert zu haben. Wäre bei den Preisen auch kein Wunder. Nach Abzug der Business Seats und Auswärtskontingente verbleiben vermutlich bis zu rund 10.000 Einzelkarten für einen Mitglieder oder freien Verkauf übrig. Die Preise für Tageskarten wurden noch nicht veröffentlicht. Auch hier ist mit saftigen Erhöhungen zur rechnen.

Fest steht: Für einfache Mitglieder ohne Dauerkarte wird es aber nun schier unmöglich an Einzelkarten für Auswärtsspiele oder Cup Spiele im Wembley zu kommen. Ursache ist neben dem sportlichen Erfolg und der festgesetzten Preisobergrenze für Auswärtstickets in Höhe von 30 Pfund auch die wachsende Anzahl an Dauerkarten. Die Tickets werden zunächst ausschließlich an Dauerkarteninhaber anhand des Loyalty Point Systems vergeben (ein Punkte- Sammel- System für Auswärtsspiele) und erst danach, wenn Karten übrig bleiben, nach einem ähnlichen Schema an Mitglieder. Aus meiner Sicht ist das alles ziemlich Schade. Ich bin gespannt, ob das ganze Projekt dauerhaft so aufgeht. Im Moment erscheint es aufgrund des sportlichen Höhenfluges aber so. Auf jeden Fall ist, mit Ausnahme des Standortes und der dazugehörigen Kneipen und Bars, so gut wie nichts mehr so wie vorher. Die (Geld-) Maschinerie läuft an. Mal sehen, wie das endet.
Für Anfang August sind die notwendigen Inbetriebnahme- und Evakuierungsübungen geplant. Das erste Spiel im neuen Stadion findet am 15. September gegen den FC Liverpool statt.

Aktuelle Fotos sowie eine ausführliche Galerie findet ihr hier:

https://www.tottenhamhotspur.com/news/2018/july/new-stadium-latest-aerial-photos-july-21/

http://new-stadium.tottenhamhotspur.com/interact/

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Wigan Athletic – FC Southampton 0:2 18.03.2018

DW Stadium , FA Cup Viertelfinale Tag 2 des England- Wochenendes

Tag 1 findet ihr hier: https://nebensachefussball.wordpress.com/2018/03/28/huddersfield-town-fc-crystal-palace-02/

Der morgen begann mit einem ordentlichen Schreck: Der Blick aus dem Fenster und auf die App der National Rail (britische Eisenbahn) verhieß nichts Gutes: Schnee und angekündigte Bahnstreckenunterbrechungen in roter Farbe mit Ausrufzeichen. Englandfahrer wissen um dessen Bedeutung. Auch die vier niederländischen Groundhopper aus Utrecht aus demselben Hotel checkten hektisch Alternativen zur Bahn. Das Viertelfinalspiel des englischen Pokals in Wigan (nähe Manchester), lockte erwartungsgemäß viele Stadionsammler an: Die Anstoßzeit um 13.30 Uhr lag noch perfekt für einen abendlichen Rückflug am Sonntag. David spielte gegen Goliath und Tickets gab es relativ problemlos im General Sale zu erstehen. So war es auch nicht verwunderlich, dass überall immer wieder Embleme anderer Vereine an diversen Kleidungstücken zu sehen waren. Die Züge fuhren entgegen aller Warnungen zumindest nach Wigan halbwegs planmäßig. Der Rest eher nicht. Die Menschentraube vor den elektronischen und, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftigen bis unübersichtlichen Zugverbindungsanzeigern war diesmal besonders groß. Dafür platzte dann der auserwählte Zug mit schlappen drei Waggons mal wieder komplett aus allen Nähten. Es war die Variante Kontaktstehplatz im Gang oder Kuschelsitzplatz mit Jacke, Taschen und/oder Rucksäcken auf den Knien. Aber für 6,90 Pfund Hin- und Rück wollen wir mal nicht meckern. Wigan hat übrigens zwei Bahnhöfe (North Western und Wallgate), die in der Innenstadt direkt nebeneinander liegen und beide von Manchester aus anfahrbar sind. Eine Planung, die sich nicht auf dem ersten Blick erschließt: Sie wurden mal von zwei verschiedenen Eisenbahngesellschaften gebaut und betrieben. Der erste Richtung Preston im Norden und der zweite Richtung Manchester im Süden. Heute sind beide Durchgangsbahnhöfe und werden parallel weiterhin genutzt. Woanders hätte man schon längst einen daraus gemacht.

Viel zu bieten hat die Stadt Wigan leider nicht. War sie früher ein gemachter Standort der Schwerindustrie, hat sie heute immer noch spürbar mit dem Niedergang dieser zu kämpfen. Im Stadtkern findet man ein paar historische Fachwerkhäuser, sowie die wegen ihres normannischen Turmes sehenswerte All Saints Church. Mehr aber auch nicht. Immerhin fließt der „Leeds and Liverpool Canal“ durch Wigan. Ein Handelsweg zwischen den beiden Städten aus der Zeit um 1800, der heute überwiegend touristisch genutzt wird. Perfekt für Radtouren und Spaziergänge entlang der Ufer oder für schöne Bootstouren. Der Kanal und ich trafen uns nunmehr schon zum fünften Mal: In Leeds, Burnley (dort führt er als Hochkanal mitten durch die Stadt), Blackburn (da fließt er direkt am Ewood Park vorbei), in Liverpool und nun in Wigan. Der im Stadionführer empfohlene Spaziergang entlang des Ufers inklusive Einkehr in einem Biergarten viel diesmal aus. Bei stürmischem Wind mit Temperaturen um rund einem Grad wäre das auch kein Vergnügen geworden. Das Stadion liegt rund eine gute halbe Stunde Fußmarsch vom Bahnhof in einer Art Industrie- und Einkaufsarenal und trägt heute den Namen DW Stadium, nach einem Sport und Fitness Unternehmen des Besitzers David Whelan. Fertiggestellt wurde die Arena 1999 (ungefähr zur selben Zeit wie das Kirklees Stadium in Huddersfield) vom selben Bauunternehmen Alfred Mc Alpine. Die Architektur ist zwar eine grundlegend andere, aber die Tragkonstruktion des Daches zeigt eine ähnliche Handschrift. Auf den vier einrangigen und an den Seiten geschützten Tribünen finden 25. 138 Zuschauer Platz. Die Ecken sind offen. Also ein klassisches, einfaches Fußballstadion, bei dem der Fan nah dran am Geschehen ist. Heute sind 17.100 gekommen, um eine weitere Sensation der Latics gegen einen höherklassigen Verein zu sehen. Schon 2013 schafften sie als Absteiger aus der Premier League mit ihrem 1:0 Sieg gegen Manchester City im Endspiel des FA Cups eine Sensation. Diesmal schalteten sie die Citizens im Achtelfinale aus. Die fetten Jahre scheinen allerdings vorbei. Nach dem Abstieg 2013 aus der Premier League, der sie sieben Jahren angehörten, wurden sie bis in die Dritte Liga (die Football League One) durchgereicht. Dorthin, wo sie sich Jahrzehnte eigentlich aufgehalten haben. In diesem Jahr kommen sie aber zurück. Sie stehen als Aufsteiger in die Championship bereits fest.

Heute ist der FC Southampton aus dem Süden Englands zu Gast. Rund 5.000 Fans begleiteten ihren Club zum Spiel nach Wigan. Die Saints spielen derzeit gegen den Abstieg aus der Premierleague. Chancenlos waren die Latics also nicht von Anfang an. Genauso legten sie auch los, konnten spielerisch überzeugen und erarbeiteten sich den größeren Spielanteil. Nur die Torabschlüsse waren nicht zwingend genug. Die Stimmung im Rund war gut. In Hälfte zwei setzte sich die Erfahrung eines Erstligisten letztendlich durch. Nach einer Ecke gingen die Süd Engländer durch den Dänen Hojbjerg in der 62. Minute in Führung und leisteten sich sogar noch einen verschossenen Elfmeter, bevor sie den Sieg in der Nachspielzeit besiegelten. Der Favorit hatte sich also dann doch nach einem sehr unterhaltsamen Spiel durchgesetzt.
Die aktive Fanszene war auf dem East Stand an der Ecke zur Gästetribüne platziert. In den Blöcken ES1 bis ES3 wurde auch gestanden. Es wurden mehrmals bekannte Gesänge angestimmt, zweimal ein wenig Rauch gezündet und natürlich die in England üblichen Nettigkeiten ausgetauscht. Die Klamottenmarke der steinernden Insel war überpräsent. Wer erinnert sich noch an die skurrile Hooligan Serie von Danny Dyer im Jahre 2007? In irgendeiner Folge war er auch zu Gast bei Wigans Firm, die mir irgendwie in Erinnerung geblieben ist. Dieses Typen hier waren ähnlich.
Mangels Einkehrmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Stadions kann ich nur den großen Pub im Bauch des East Stands empfehlen. Hier gibt es neben Bier auch ein Tee – und Kaffeebuffett mit einem großen Pasty Angebot. Ausreichend Sitzplätze sind ebenfalls vorhanden. Auffallend viele ältere Supporter (was ich auf der Insel sowieso immer interessant und schön finde) genießen hier ihr Pre Match Getränk.
Der Fußweg von der Bahnstation zum Stadion ist einfach zu finden, dauert aber gute 25- 30 Minuten. Auf dem Rückweg hatte ich Glück, dass ein mir bekannter Hopper aus Yorkshire (bei Twitter als @HipHoppingYorkshire zu finden, Markenzeichen: SC Victoria Hamburg Schal) mich mit seinem Auto zum Bahnhof brachte. Deswegen erreichte ich nicht nur einen Zug früher zurück nach Manchester (routinierte Vorsichtsmaßnahme bei schlechtem Wetter), sondern traf auch noch zwei netter Schalker, die die gleichen Pläne hatten. Diese waren am Vortag bei ihrem Fanclub Yorkshire Schalker in Leeds beim Derby gegen Sheffield Wednesday zu Gast. An dieser Stelle nette Grüße!

Bis dahin hatte allen widrigen Wetterbedingungen zum Trotz alles bestens funktioniert. Das eigentliche Drama stand mir allerdings noch bevor. Fuhr ich noch völlig tiefenentspannt, weil ausnahmsweise richtig früh, zum Flughafen, wartete dort das totale Chaos auf mich. Durch die chronisch unterbesetzte Sicherheitskontrolle dauerte die Wartezeit dort eine gute geschlagene Stunde. Inclusive einem britischem Improvisationstalent, das doch irgendwie an Mister Bean und seine Filmchen erinnerte. Wäre man nicht beteiligt gewesen, hätte man es gar als lustig empfinden können. Ähnlich lustig ging es schon auf der Hinfahrt am Bahnhof Airport Manchester zu. Als ein Lokführer aus dem abfahrbereiten (und auch angeschlagenen) Zug ausstieg, die Lok abschloss und mit der Empfehlung „doch besser den verspäteten Zug auf dem Nachbargleis zu nehmen“ von dannen zog und ratlose Kunden zurückließ. Immerhin wurde der von ihm empfohlene Zug von der gleichen Bahngesellschaft betrieben, so dass eine Mitfahrt überhaupt möglich war. Vom Airport Bahnhof fahren nämlich zwei Gesellschaften mit unterschiedlichen Preisen in die Stadt. Aufpassen ist da angesagt! Ebenfalls für Gelächter, allerdings nur unter den deutschen Passagieren, sorgte der Aufkleber mit dem Hinweis „Bums on seats please“.
Und wer mir den Standort des leisesten und gleichzeitig gefühlt langsamsten Aufzugs der Welt nennen kann, erhält als Preis einen Fußballschal. Versprochen!

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Wigan Athletic – FC Southampton 0:2 18.03.2018 from Nebensachefussball on Vimeo.

FK Austria Wien- SK Rapid Wien 0:4 15.04.2018

Ernst Happel Stadion, Österreichische Bundesliga

Im April 2018 fand das planmäßig letzte Stadtderby zwischen den beiden Wiener Vereinen FK Austria und SK Rapid im Ernst Happel Stadion statt. Zunächst trug der SK Rapid während der Neubauphase seines Stadions in Hüttelsdorf seine Heimspiele bis 2016 im österreichischen Nationalstadion aus, dann in den beiden vergangenen Saisons die FK Austria. Die Austria eröffnet ihre neue Generali Arena zur kommenden Saison. Rapids erstes Heimspiel in der neuen Allianz Arena (hier der Bericht) fand bereits im Oktober 2016 statt. Da die Pokalendspiele mittlerweile im sonst kaum genutzten EM Stadion von Klagenfurt (eine Story für sich) stattfinden, werden auf absehbare Zeit eben keine Derbys im großen Wiener Oval mehr ausgetragen. Grund genug, diesem zwar in die Jahre gekommenen, aber wunderbaren Stadion, noch einen Besuch abzustatten. Eben keine dieser neuen Kommerzarenen, sondern ein großes Oval mit einem Fassungsvermögen von rund 50.000 Zuschauern. Ohne Schnick Schnack, dafür mit old School Pissrinnen und viel Beton. Mangels Zeit gibt es allerdings diesmal keinen großen Artikel, sondern eine ausführliche Bilderstrecke, die für sich spricht.

Leider wurde das Spiel, vor allem zum Leidwesen der Rapid Fans, fast unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne gebracht. Rapid bekam aus Sicherheitsgründen nur ein Kartenkontingent von 3.500 Plätzen zugesprochen. Ein paar Hundert Sitzplätze unterhalb des Gästeblockes wurden offensichtlich später doch noch freigegeben. Zu bekommen waren diese Tickets wohl nur gegen Angabe sämtlicher Personalien.
Die Austria, zahlenmäßig der SK Rapid seit jeher unterlegen, verkaufte ihrerseits Karten nur an Dauerkarteninhaber und Mitglieder. Man wollte, damit es ein Heimspiel bleibt, so wenig Rapidler wie möglich im Stadion haben. Das Ergebnis: Ganze 11.627 Besucher verloren sich im Rund. In den beiden Kurven jeweils die aktive Fanszene, auf der Haupttribüne die Vertreter der Presse und VIP`s und auf der Gegengeraden die typischen Sitzplatzbesucher der Austria und rund Zweihundert Rapidler, die sich über Austria Kanäle mit Tickets versorgt hatten. Dazwischen gefühlte Einhundert Meter Pufferblöcke. Da ja beide Fanszenen (mit leichten Vorteilen der Grün- weißen) standesgemäß mit allen denkbaren optischen Hilfsmitteln (Fahnen, Banner, Pyro, Blinker, Rauch) für einen würdigen Rahmen sorgten, war es dann auch ziemlich interessant. Man möge sich aber mal ein gut gefülltes Rund vorstellen. Es wäre mit Sicherheit ein schönes Spektakel.
Außerhalb des Stadions blieb es diesmal ziemlich ruhig. Das ist auch nicht immer so.

Auf dem Platz ließ Rapid keinen Zweifel auf ihre Favoritenrolle kommen. Sie spielten klar überlegen, einen technisch sehenswerten Fußball, der zu einem ungefährdeten 4:0 Erfolg über den Stadtrivalen im 326. Wiener Derby führte.
Mein Dank geht an die Rapidler, die mich unter den oben beschriebenen Bedingungen mit einer Eintrittskarte versorgten.

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FK Austria Wien – SK Rapid Wien 0:4 15.04.2018 from Nebensachefussball on Vimeo.

Huddersfield Town FC – Crystal Palace 0:2

The Kirklees Stadium (John Smith Stadium) Premier League 17.03.2018

Eigentlich sollte es bereits Anfang März auf die Insel gehen, aber in England bislang eher untypische Wetterkapriolen verhinderten den Ausflug. Für deren Verhältnisse „Unmengen“ an Schnee und Kälte legten sowohl den Bahnverkehr, als auch größtenteils den Fußballbetrieb lahm. Der Plan nach einschlägigen Erfahrungen, nicht im Winter, sondern zu einem wettertechnisch sichereren Zeitpunkt auf die Insel zu fliegen, ging mal gar nicht auf… Nun gut, flugs umgeplant. Denn die Wetterportale versprachen steigende Temperaturen. Da die Vorhersageexperten aber nur viel über das Wetter reden, aber (natürlich) nicht wirklich vorrausagen können, kam was kommen musste: Wieder Schnee und Kälte. Diesmal aber nicht ganz so dramatisch. Immerhin fuhren die Züge zu meinen Zielen halbwegs pünktlich. Die hügelige Landschaft von Yorkshire auf dem Weg nach Huddersfield war schneebedeckt und der eisige, starke Ostwind trieb mich außerhalb der Spiele von der Straße. Selbst die Einheimischen trugen dicke Jacken und Mützen. Nur die ganz Jungen zitterten sich, wie immer an den Wochenenden, halb nackt durch die Straßen zu den Pubs und Clubs. Dagegen war ich froh nach der Rückkehr aus Huddersfield trotz mehrlagigem Kälteschutz eine heiße Dusche nehmen zu können.

Zwischendurch war Fußball. Beim Huddersfield Town FC. Ein Verein, der vor fast Einhundert Jahren als erster englischer Verein dreimal hintereinander die Meisterschaft gewann, nämlich von 1924 bis 1926 und davor 1922 den FA Cup. Es sollten die ersten und letzten Trophäen sein. Immerhin spielten die Terrier, so ihr Spitzname, bis in die Siebziger in den obersten beiden Ligen, bevor es nachhaltig bergab ging. Sogar bis in die vierte Liga. In der Neuzeit hielten sie sich seit 2004 zuletzt ziemlich lange in der Football League One auf, aus der 2012 der Aufstieg in die Football League Championship (2. Liga) gelang. Huddersfield ist als ehemalige Industriestadt, wie viele andere Städte in der nordenglischen Region auch, nicht besonders reich. Das Budget im Vergleich zu den anderen großen Premierleague Clubs ist klein. Umso größer war die Überraschung, als die blau-weiß Gestreiften im vergangenen Jahr in den Play Offs gegen den FC Reading nach 45 Jahren den Aufstieg in die höchste Spielklasse schafften. Huddersfield ist derzeit die Nummer 1 in Yorkshire und das bei einer Konkurrenz wie Leeds United oder Sheffield Wednesday. Maßgeblichen Anteil daran besitzt Trainer David Wagner, der aus Deutschland von der U 23 von Borussia Dortmund 2015 auf die Insel wechselte und seine Spielidee nach und nach erfolgreich umsetzt. Er kann gut mit jungen Spielern umgehen und ergänzt den Kader auch mit talentierten, nicht überteuerten deutschen Nachwuchsprofis. Es muss also nicht immer am ganz großen (Geld-) rad gedreht werden. Allein das macht den Club schon ziemlich sympathisch. Was noch? Die Fans. Als sich uns 2011 beim FC Brentford (als Ex St. Paulianer Marcel Eger dort unter Vertrag stand) die Wege kreuzten, legten sie eine bemerkenswerte Performance hin. Diese konnten sie zwar bei den Spielen im Hillsborough und an der Elland Road bei den beiden von mir besuchten Yorkshire Derbys nicht ganz wiederholen, aber diesmal darf man von einem guten Auftritt sprechen. Für einen englischen Erstligisten war die Stimmung trotz schlechtem Spielausgang ganz passabel. Auf allen Tribünen wurden immer mal wieder Gesänge angestimmt. Eine gewisse Leidenschaft war spürbar. Das dabei auch Klatschpappen ihren Einsatz fanden, übersehe ich einfach mal geflissentlich. Eine kleine Ultra Gruppe, wie meistens in England direkt neben dem Gästeblock platziert, machte gelegentlich zusätzlich auch optisch mit Fahnen und Bannern auf sich aufmerksam. Zur Fanszene des heutigen Gegners Crystal Palace muss man nicht viel sagen. Sie gehört auf der Insel zu den Besseren und gehört zu den Ersten, aus denen sich eine Ultragruppierung formierte. Das Gästekontingent von rund 2.000 Tickets wurde voll ausgeschöpft. Die Stimmungslage entsprach dem positiven Spielverlauf. Optische Stilmittel kamen, wie auswärts meistens, aber nicht zum Einsatz.

Das Stadion ist ein schmuckes Ding. Es gehört zu den ersten in England neu erbauten Stadien in den Neunzigern und gefällt vor allen Dingen aufgrund der außergewöhnlichen Architektur. Bestimmt wird das Erscheinungsbild von den vier halbkreisförmigen Tribünen mit deren bogenförmigen Dachkonstruktion. Ein Alleinstellungsmerkmal. Kommt man aus der Stadt vom Bahnhof aus hinunter, fällt der Blick auf das schöne Rund im Tal. Eröffnet wurde das Kirklees Stadium (während der Planungsphase benannt nach den gleichlautenden Bezirk Kirklees) 1994. Danach trug es verschiedene Sponsorennamen, z.Zt. John Smith Stadium nach einem Bier der Konzernmutter Heineken Brauerei. Die Ecken sind offen, was bei winterlichen Wetterverhältnissen ein klarer Nachteil ist. Alles in allem ohne viel Schnickschnack, also gut (meine Meinung). Trotzdem schien sich der Verein damit irgendwie verhoben zu haben. Denn er durchschritt in 2003 eine eklatante finanzielle Durststrecke. Der Neubau war allerdings auch alternativlos, denn die alte Leeds Road, war ordentlich in die Jahre gekommen. Vor allem das Spielfeld soll früher an den schädlichen Abgasen der umliegenden Industrie gelitten haben und ständig einer Neuansaat bedurft haben, bevor dann riesige Vogelschwärme auch diese regelmäßig torpedierten. Das Fassungsvermögen des Neubaus beträgt offiziell 24.500 Zuschauer. Auch heute war es wieder annähernd ausverkauft. Die Preispolitik der Terrier ist sehr human. Die Tickets sind im Einzelverkauf für nur 30 Pfund zu haben, Dauerkarten werden schon ab 249 Pfund angeboten. Ein Schnäppchen im Vergleich zu anderen Vereinen der Premier League. Damit bindet der Club ein Publikum aller Altersklassen langfristig an sich. Eine Nische im Konzert der Großen. Direkt nebenan in der Randbebauung bekommt der Besucher im Pub The Rope Walk sein Match Pre Bier. Ein Stadtbummel einschließlich standesgemäßer Pubbesuche fiel meinerseits aufgrund der eisigen Kälte aus. Es reichte gerade mal für ein Stück Kuchen in der schmucken Markthalle auf dem Weg zum Ground.
Über den Spielverlauf kann ich ehrlicherweise gar nicht so viel schreiben. Erstens war der Blick auf das Spielfeld in Reihe 2 auf Rasenhöhe hinter`m Tor dafür etwas suboptimal. Zweitens war ich mehr damit beschäftigt nicht Opfer eines Kältetodes zu werden. Ich nutzte wirklich jede Gelegenheit von meinem Sitz aufzuspringen und mich dabei so viel wie möglich zu bewegen. Was die anderen dabei über mich dachten, war mir völlig egal. Leider bot die Heimmannschaft dafür nicht oft Gelegenheit. Zwingende Chancen konnten nur selten erarbeitet werden. Das Spiel war kein Burner. Beim dazu noch einsetzenden Schneegestöber zum Ende der zweiten Halbzeit kapitulierten so einige Zuschauer und flüchteten ins Warme nach Hause. Da stand es auch schon lange 0:2. Hoffnung auf eine Aufholjagd gab es an jenem Nachmittag für das Heimteam nicht wirklich. Ganze zwei echte Torschüsse waren die magere Ausbeute ihrer Bemühungen. Crystal Palace ging in der ersten Hälfte durch Tomkins 1:0 in Führung und legte noch einmal nach. Per berechtigtem Foulelfmeter netzte Milivojevic in der 68. Minute zum 0:2 ein. Damit war der Wille der Terrier gebrochen und so verbringen die Süd Londoner mit ihrem Trainer Roy Hodgson die kommenden zwei Wochen erst einmal nicht auf einem Abstiegsplatz.
Nach einer kurzen Aufwärmphase im Mini- Fanshop (auch hier erkennt man den eher kleinen, familiären Club), ging es mit einigen Zugfahrern der Gästefans zurück zum Bahnhof. Mit Ausnahme einiger, kleinen Posereien passierte hier aber nichts.

Zurück in Manchester sollte der Abend eigentlich standesgemäß zum St. Patricks Day in der O` Sheas Irish Bar bei Live Musik und Bier ausklingen. Doch leider gab es schon am Vortag keine Eintrittskarten mehr. Was blieb, war das „All you can eat China Buffet“ Ecke Nicholas Street/ Faulkner Street und das „Seven Oaks“ in der Nicholson Street. Ein Sport Pub, in dem auch der St. Pauli Fanclub Manchester gemeinsam die Spiele des FCSP schaut. Beide Läden kann ich uneingeschränkt empfehlen.

FC Bayern München – FC Schalke 04 2:1 10.02.2018

Bundesliga, Allianz Arena München

Es gibt Stadien, die besucht man nicht so gerne. Zum Beispiel neue Konsumtempel, wie die Münchener Allianzarena. Aber irgendwann muss auch das langweiligste Stadion mal fallen. Die Liga will schließlich irgendwann wieder komplettiert sein. Die neuen Durchschnittsarenen in Augsburg und Mainz schiebe ich ebenfalls schon lange vor mich her. Weil ich aber Bundesligastadien in der Regel auch nur mit dem FC Schalke besuche, dauert es eben alles etwas länger. Also ging es nun mit dem geilsten Club der Welt nach München. Früh gebucht waren die Flugpreise des neuen Monopolisten Lufthansa ziemlich erträglich. Da spare ich gerne doch ein paar Stunden Fahrzeit für die An- und Abreise. Zumal dadurch noch bequem ein weiteres Spiel der SpVgg Unterhaching gegen den Halleschen FC tags drauf besucht werden konnte.

Kaum waren wir richtig in der bayrischen Landeshauptstadt angekommen, hatten wir schon drei Kirchen von innen gesehen: Die Bürgersaalkirche (konnte am besten gefallen), Michaelskirche und Frauenkirche. Der kulturelle Anteil des Tages war damit schnell erledigt. Zumindest der Teil, der nichts mit der Kultur gemein hat, die in Bayern und demnächst auch im Berliner Heimatministerium als solche oder besser „Heimat“ bezeichnet wird: Die mit trinkseliger Volksmusik untermalten feucht fröhlichen Leichtbiersauferei in Trachtenkleidung. Diese gehört aber untrennbar zu München dazu. So wagten wir einen kurzen Aufenthalt im Hofbräuhaus, also eine Mass Bier lang, und beobachteten die Szenerie. Wer von den beiden anwesenden Fangruppen schlussendlich die Lautesten und Angetrunkensten waren, die Roten oder Blau- Weißen, konnte nicht abschließend ermittelt werden. Nicht so unser Ding, das Ganze. Derweil tummelten sich draußen auf dem Marienplatz Herrscharen von Touristen. Der Platz, auf dem der DFB seit Jahren seine offizielle Meisterfeier abhält. Fehlt eigentlich nur noch, dass Uli Hoeneß jeden Mittag um Zwölf auf dem Rathausbalkon die Meisterschale präsentiert. Wie so ein Glockenspiel oder so.

Das Fantreffen der Isar- Schalker in der Muffathalle, welches nach einschlägigen Berichten durchaus einer Malle Party ziemlich nahe kam, löste sich schon langsam auf, als wir dort aufschlugen. Der Zustand einiger abwandernden, oder besser wankender Fans schien dies zu bestätigen. Wir bekommen die Kuchenreste für lau („muss weg“) und trafen noch den ein oder anderen sprechfähigen Bekannten, bevor wir rechtzeitig die Anreise zum Stadion in Fröttmaning außerhalb der Stadt in Angriff nahmen. Dies ist durchaus geboten, denn der Weg zum Stadion ist lang. Die Bahnsteige entlang der U- Bahn Linie 6, die für uns Hamburger aussehen wie S-Bahnen, sind knackig voll. Wohl dem, der früher einsteigen kann. Doch auch wir erwischten erst die dritte Bahn. Bis zur Haltestelle Fröttmaning vergingen locker zwanzig Minuten. Dicht gedrängt und Sauerstoffarm. Von dort ist es „nur“ noch ein ca. fünfzehn minütiger Fußmarsch bis zu den außenliegenden, aber immerhin gut organisierten Einlasskontrollen und dann noch einmal einige Meter bis zum Blockaufgang. Alles in allem ist man locker eine gute Stunde unterwegs. Abhelfen könnte sicherlich eine bessere Taktung der U- Bahn. Aber weit weg bleibt weit weg. Dafür werden in München noch Züge eingesetzt, die in Hamburg nur noch einmal jährlich als Museumsbahn ihre Kreise ziehen. Man bekommt also quasi eine Nostalgiefahrt umsonst oben drauf. Ein großer Busparkplatz und riesige Parkflächen unter dem Außengelände komplettieren das Gelände.

An der Arena scheiden sich die Geister. Sie sieht von außen wahrlich nicht nach Stadion aus, sondern eher wie ein überdimensionaler Rettungsring. Bleibende Architektur ist das nicht. Das wird vor allen Dingen bei Tageslicht ersichtlich. Die Fassade erstrahlt bei Bayern Spielen in roter Farbe, das Highlight des Bauwerks. Denn ansonsten kommt sie ziemlich unspektakulär daher. Viele graue Sichtbetonflächen, kaum Abwechslung in den Umgängen und zum Überfluss die leider üblichen viel zu kleinen WC Anlagen. Auch drinnen ist alles grau, sogar die Sitze. Ein rotes Lichtband über dem Oberrang soll auflockern. Die Videoleinwand ist allerdings top: Gestochenscharfes Bild und Übergröße überzeugen! Mit der Stimmung wiederum ist es nicht weit her. Die Ultras auf dem Unterrang der Südtribüne mühen sich redlich. Trotz der Größe des Runds sind sie sogar ein paar Mal relativ laut zu vernehmen. Heute sorgen einige Fahnen und Schwenker für die optische Untermalung. Der Rest des Stadions ist mucksmäuschen still. So wie bei vielen übererfolgreichen Mannschaften.
Ungefähr 5.000 Schalker haben heute den Weg nach München gefunden. Unter denen auch viele Freunde aus Nürnberg. Die Freundschaft der Schalker zum 1. FC Nürnberg ist einer der längsten überhaupt in Deutschland. Zu Beginn gab es im Gästeblock eine Choreo mit Plastikfähnchen in den entsprechenden Farben Blau/weiß und schwarz/rot und zwei großen Schwenkern vom S04 und FCN. Der Stehplatzblock gab ordentlich Gas, aber so richtig wollte der Funke nicht auf die angrenzenden Sitzplatzblöcke überspringen. Am Spiel der Gästemannschaft konnte es nicht gelegen haben, denn das war im Gegensatz zu den vorangegangen beiden Begegnungen überraschenderweise ziemlich gut. Alle die dachten, nach dem frühen Abstauber von Lewandowski in der 6. Minute gibt es ein Packung, wurden eines besseren belehrt. Schalke hielt dagegen und erzielte durch di Santo nach einer halben Stunde den nicht unverdienten Ausgleich. Leider gewinnen dann die Bayern doch immer. Diesmal durch einen Glückstreffer von Thomas Müller aus ganz spitzem Winkel. Ein Torwart schaut dann immer etwas dumm aus. Die zweite Hälfte blieb torlos, aber ein Ausgleich wäre durchaus möglich gewesen. Der ein oder andere im Gästeblock konnte damit offensichtlich nicht so gut umgehen und bewarf die Heimfans im Unterrang mit Bier. Muss auch nicht sein.

Nervig, aber genauso wie in der Arena auf Schalke, ist das bargeldlose Bezahlsystem mit Karte. Wer Zeit hat, kann sich das Restguthaben aber an einigen wenigen Stellen wieder ausbezahlen lassen. Mindestens genauso nervig ist die hohe Anzahl der Robotcobs im Umgang, die so ziemlich jeden vorschnell abfilmen, der mal ein bisschen lauter wird. Gastfreundschaft sieht anders aus. Noch nerviger ist dann der Rückweg. Erst recht, wenn es nichts zu feiern gibt. Die Warteschlange vor der U- Bahn Station ist beeindruckend. Mit ein bisschen Bauernschläue kommt man schlussendlich recht zügig voran. Gefühlt werden diesmal ein paar mehr Züge eingesetzt. Gut für die insgesamt 75.000 Zuschauer.
Zum Abschluss des Tages nehmen wir noch einmal eine Prise Heimat mit. Also das, was wir uns unter Heimat so vorstellen, wenn ein Seehofer davon redet: Bier, Brezen und gute Laune. Diesmal in der preisgünstigeren und tatsächlich auch essenstechnisch empfehlenswerten Augustiner Bräustube. Von der unfreundlichen, überforderten Bedienung lassen wir uns nur kurz beeindrucken. Wir lachen das Weg! Die beiden Jogger- Jungschen am Tisch aus Wuppertal und Köln auch. Mit der sehr höflich vorgetragenen Frage, ob sie immer so unfreundlich sei, brechen die Beiden das Eis. Auch eine grantelnde Bayerin kann sich also entspannen. So geht ein unspektakulärer Auswärtstag zu Ende.

FC Sevilla- FC Cartagena 4:0 29.11.2017

Estadio Ramon Sanchez Pizjuan, Copa del Rey

Am Mittwochabend stand dann noch das Rückspiel des FC Sevilla gegen den FC Cartagena im spanischen Pokal an. Das Hinspiel hatte Sevilla schon mit 3:0 für sich entschieden, so dass wir keinerlei Erwartungen auch nur in irgendeine Richtung hatten. Auch diese Partie gewannen die Rot- Weißen klar mit 4:0. Cartagena war quasi chancenlos. Dabei machte der Ex- Schalker Johannes Geis, der für zunächst ein Jahr zum FC Sevilla ausgeliehen ist, eine grundsolide Partie.
Der Eintritt kostete nur zwischen 5,00 Euro auf den Hintertor- Tribünen bis 20,00 Euro auf der Haupttribüne. Trotzdem sahen nur 11.678 Zuschauer das Spiel. Dementsprechend trostlos gestaltete sich der Abend im eigentlich ansprechenden Rund. Selbst die Heimkurve, in der auch die Ultragruppe Biris Norte ihren Platz hat, war gähnend leer. Überraschenderweise begleiteten aber rund 100 bis 150 Gästefans ihr Team aus dem ca. 540 Kilometer entfernten Cartagena. Für den Drittligisten offenbar ein kleines Highlight. Platziert wurden sie auf der Haupttribüne und nicht im eigentlichen Gästeblock im Oberrang der Südkurve. Sie waren sowohl optisch, als auch akustisch mehrmals wahrnehmbar. Immerhin! Gut, dass wir bereits im September 2015 schon einmal dort waren. Damals sahen wir eine spielerisch hochklassige Begegnung gegen Celta de Vigo, in einem gut gefüllten Stadion mit prächtiger Stimmung. Der Futbol Club (die Stadt Sevilla sowieso) ist in jedem Falle bei einem halbwegs interessanten Gegner eine Reise wert. Allein schon wegen des prächtigen Stadions, welches sich trotz des Fassungsvermögens von 45.000 Zuschauern (nur Sitzplätze) mitten in der Stadt zwischen einem angrenzenden Einkaufszentrum und den umliegenden Wohngebieten erhebt. Am Spieltag ist dort mächtig etwas los. Die umliegenden Bodegas und Bars, die es dort reichlich gibt, sind gut besucht. Der harte Kern der Fans macht sich dort schon draußen laut bemerkbar.

Interessant gestaltete sich bei beiden Spielen der Ticketkauf. Gegen Celta de Vigo 2015 bekamen wir vor Ort am Spieltag Karten im Gästeblock oben in der Südkurve, da dieser üblicherweise nicht gefüllt und dann auch nicht streng als solcher ausgewiesen wird. Für alle anderen Bereiche gab es angeblich keine Tickets, obwohl auf allen Tribünen mehrere Hundert Sitze frei blieben. Gegen Cartagena gab es nur in der Südkurve (auch wieder dort oben im und um den Gästebereich) zwei nebeneinander liegende Plätze an der Tageskasse zu erstehen. Angeblich sonst nur Einzelplätze, obwohl später auf allen Tribünen gähnende Leere herrschte. Warum, konnten wir mangels Spanischkenntnisse nicht herausfinden. Vermutlich sind grundsätzlich fast alle Plätze mit Dauerkarten belegt, von denen dann eben nicht alle am Spieltag erscheinen. Eine andere Erklärung haben wir nicht.

Das Stadion hat sich übrigens in den letzten zwei Jahren ordentlich herausgeputzt. Vor zwei Jahren standen in der Südkurve in einigen Bereichen noch Dixi Klos herum und war die Farbe Grau tonangebend. Heute präsentiert sich die Kurve mit modernen WC Anlagen, neuen Kiosken und einem zu den Vereinsfarben passenden rotem Anstrich. Im Rund wurden die Sitze gegen neue Rote ausgetauscht, auch an den Fassaden wurde gearbeitet. Schließlich bewirbt man sich demnächst auch bei der Uefa für ein Europa League Finale.

Dass der FC Sevilla bereits fünfmal den Uefa Cup bzw. die Euro League gewonnen hat und damit den Rekord hält, muss ich hier vermutlich nicht extra erwähnen. Spanischer Meister wurden sie allerdings nur einmal: 1946.
Übrigens eignet sich das Viertel mit dem Bahnhof Santa Junta sowie dem Einkaufszentrum nebst Stadion auch hervorragend zum Übernachten. Es gibt eine U- Bahn Verbindung in die Altstadt, der Flughafen Bus hält dort, viele Bars und Bodegas laden zum Verweilen ein. Alles ein Stück günstiger als im touristischen Zentrum. Für angemessenes Geld geht es mit dem Standard- Zug entweder Richtung Atlantik nach Cadiz oder San Fernando oder mit dem Schnellzug über Cordoba nach Madrid. Die Zugverbindung nach Malaga ist leider nicht optimal. Für Abendspiele mangels Verbindungen sogar gänzlich ungeeignet. Im Schnellzugpreis inbegriffen sind die Sitzplätze und ein Paar Kopfhörer. Also durchaus eine Alternative zum Mietwagen.

Am Rande der Spiele besuchten wir noch mit dem Leihrad (ein für Sevilla sehr empfehlenswertes Fortbewegungsmittel) das alte Olympiastadion am äußersten Stadtrand. Erbaut mal anlässlich einer Bewerbung für die olympischen Spiele, fristet es mittlerweile ein Tristes da sein. Das letzte große Fußballspiel sah das 59.600 Zuschauer fassende Rund im Jahr 2003: Alle Celtic Fans werden sich erinnern. Das Uefapokal Finale zwischen dem FC Porto und dem Celtic FC aus Glasgow. Seither wird es nur noch für Tennis und Musikveranstaltungen genutzt. Immerhin sind in der integrierten Randbebauung eine künstlerische Hochschule sowie kleine, moderne Unternehmen untergebracht. Hinein kommt man leider gar nicht. Alle Versuche scheiterten. Ich hätte gerne ein paar Fotos geschossen, denn von außen ist der Kasten nur bedingt als Stadion zu erkennen.

FC Cordoba – Cultural Leonesa 2:2 26.11.2017

Segunda Division Espana, Estadio Nuevo Arcangel

Besonders aufregend sind spanische Zweitligaspiele zugegebener Maßen in der Regel nicht. Erst recht nicht, wenn zu keinem der spielenden Teams irgendein Bezug besteht. Dann macht man halt seinen Stadionpunkt und gut ist. So geschehen bei diesem Spiel. Der eigentliche Star von Cordoba ist die Stadt an sich. Sie wartet mit einer wunderschönen Altstadt auf ihre Gäste. Die Sehenswürdigkeiten reichen von dem alten jüdischen Viertel mit seinen engen Gassen, bis zur römischen Brücke mit ihrem Tower am Fluß Guadalquivir. Der Star ist die heutige Kathedrale, die anfänglich mal eine Moschee war. Für die Besichtigung dieses wunderschönen Kulturerbes empfehle ich durchaus genügend Zeit einzuplanen.

Der Fußball scheint hier keine große Rolle zu spielen. Überwiegend hält sich der FC Cordoba in der zweiten und dritten spanischen Liga auf. Die Zuschauerzahlen liegen nur selten über 10.000. Erwähnenswerte Erfolge sind ebenfalls nicht zu verzeichnen. Das Estadio Nuevo Arcangel, dessen Flutlichtmasten schon von weitem zu erkennen sind, liegt am Stadtrand südlich des Flusses, ist aber bequem fußläufig aus der Altstadt und im Prinzip auch von Bahnhof zu erreichen. Aus nächster Nähe macht das Rund einen unfertigen Eindruck. Die Tribünen sind alle ein wenig ungleich. Die Fassade der „Gegentribüne“ ist halb fertig oder befindet sich noch im Umbau, der wellige Vorplatz besteht aus unbefestigter Oberfläche. Von Innen gefällt das Stadion allerdings. Die Haupttribüne, scheinbar neueren Ursprungs, sticht mit ihren grünen Sitzen und weißem Vereinsschriftzug hervor. Gemäß Wikipedia wurde bereits 2005 mit der Modernisierung begonnen und sollte auch eine umfassende Randbebauung mit Hotels, Shopping Center usw. dazugehören. Zu sehen ist davon dergleichen aber gar nichts.

Obwohl der Eintritt auf allen Plätzen heute nur 10,00 bzw. 20,00 Euro auf der Haupttribüne kostet kommen nur 9.335 Neugierige, um ihrem Team die dringend notwendige Unterstützung zu geben. Die Grün- Weißen befinden sich nämlich auf dem letzten Tabellenplatz. Überraschender Weise gibt es zwei kleine Ultragruppen, die sich aber im Stadion diagonal gegenüberstehen. Also mit dem größtmöglichen Abstand. Beide Gruppen zählen rund zwanzig bis dreißig Personen, so dass sie lautstärkemäßig in dieser Formation nicht viel ausrichten können. Immerhin waren sie mit Fahnen und Schals optisch präsent. Der Rest verteilte sich sitzend und knabbernd auf den Tribünen. Der Unterrang der „Gegengerade“ war dabei am besten gefüllt. Auch hier gab es einen kleinen Stimmungsherd als Familienblock. Allerdings konnten sich hier nicht einmal beim ersten Elfmeter die meisten Anwesenden zum Aufstehen aufraffen. Immerhin gab es dann doch so etwas wie ein bisschen Anfeuerung, als Cordoba durch den zweiten Elfmeter mit 2:0 in Führung und damit in die Halbzeit ging. In der zweiten Hälfte wurde die Führung aber wieder einkassiert. Leonesa kam schlussendlich zu einem dann verdienten Auswärtspunkt. In dieser Phase machten sich dann rund dreißig mitgereiste Gästefans auf der gegenüberliegenden Tribüne bemerkbar. Ein unaufgeregtes Spiel, immerhin bei warmen Temperaturen, ging zu Ende und nach einer vierzig minütigen Fahrt mit dem Schnellzug waren wir wieder zurück in Sevilla.

Cordoba CF- Cultural Deportiva Leonesa 2:2 26.11.17 from Nebensachefussball on Vimeo.